Hochwasser Soforthilfe: Erste 24h – Schritt für Schritt

Wasser im Haus. Der Keller läuft voll. Die Straße steht unter Wasser. In diesem Moment zählt jede Minute – und die richtigen Entscheidungen können den Unterschied machen zwischen moderatem Schaden und Totalverlust.

Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Elementarversicherung.

Dieser Notfall-Ratgeber ist für genau diesen Moment gedacht. Speichern Sie ihn als Lesezeichen.

Wer die Ursachen versteht, kann besser vorsorgen: 7 wichtige Fakten über Starkregenereignisse im Überblick.

Noch besser ist natürlich Prävention – unser Ratgeber zum Hochwasserschutz fürs Haus zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Haus schützen.

Die komplette Checkliste für die ersten 24 Stunden

Klare Reihenfolge rettet Menschenleben und minimiert Schäden. Arbeiten Sie diese Liste ab – in genau dieser Reihenfolge:

  1. Strom abschalten. Wenn Wasser in den Keller eindringt: Sofort den Hauptschalter (FI-Schalter) umlegen. Befindet sich der Sicherungskasten im Keller – auf keinen Fall selbst hinuntergehen. EVU anrufen (Notfallnummer auf der Stromrechnung), damit der Versorger von außen trennt.
  2. Gas und Öl absperren. Hauptabsperrventil schließen. Auslaufendes Heizöl verzehnfacht die Sanierungskosten.
  3. Keller NICHT betreten. Solange Wasser im Keller steht und der Strom nicht nachweislich abgeschaltet ist: oben bleiben. Stromschlaggefahr.
  4. Personen in Sicherheit bringen. Kinder, ältere Menschen, Haustiere ins obere Stockwerk.
  5. Notruf 112 nur bei unmittelbarer Lebensgefahr wählen. Für Pumphilfe ohne Personengefahr: THW (örtliche Kreisverbandsnummer) oder privates Dienstleistungsunternehmen.
  6. Sofortige Dokumentation starten. Fotos und Video von allen betroffenen Räumen, bevor irgendetwas bewegt wird.
  7. Wasserpegel beobachten. Steigt das Wasser noch? Sinkt es draußen bereits?
  8. Versicherung informieren. Schaden telefonisch melden – auch wenn das Ausmaß noch nicht klar ist. Fristen gelten ab dem Schadenszeitpunkt, nicht ab der Entdeckung.
  9. Erst abpumpen, wenn außen das Wasser gesunken ist. Beim Abpumpen bei noch hohem Außenwasserstand kann die Kellerwand durch den einseitigen Druck eingedrückt werden (Auftriebsgefahr).
  10. Provisorischen Schutz aufbauen. Türen und Fensteröffnungen mit Sandsäcken, gefüllten Müllsäcken oder nassen Decken abdichten, solange Wassergefahr besteht.

SOFORT: Die ersten 30 Minuten

Strom abstellen. Wenn Wasser in den Keller eindringt und dort Steckdosen oder Elektrogeräte stehen: Sofort den Strom am Hauptschalter abschalten. Lebensgefahr!

Eine ausführliche Anleitung finden Sie unter Schritt-für-Schritt nach Hochwasser.

Langfristig schützt eine Kellerabdichtung vor erneuten Schäden.

Keller NICHT betreten. Solange Wasser im Keller steht und der Strom nicht sicher aus ist: Bleiben Sie oben.

Personen in Sicherheit bringen. Kinder, ältere Menschen und Haustiere in obere Stockwerke bringen.

Interessant dazu: Wasser im Keller.

Notruf nur bei Lebensgefahr. Die 112 nur bei Personengefahr wählen.

Vermeiden Sie den Notfall mit unserer Hochwasserschutz-Checkliste.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Einige gut gemeinte Handlungen richten im Hochwasserfall mehr Schaden an als sie verhindern:

  • Keller bei Außenwasserdruck NICHT auspumpen: Das ist der häufigste und gefährlichste Fehler. Steht draußen noch Wasser an der Kellerwand, hält das Wasser im Keller die Wand von innen gegen. Pumpen Sie den Keller leer, wirkt plötzlich nur noch der Außendruck – und die Wand kann einbrechen oder die gesamte Bodenplatte durch Auftrieb reißen. Warten Sie, bis das Außenwasser deutlich gesunken ist.
  • Sicherungskasten im überfluteten Keller nicht berühren: Selbst wenn der Kasten noch trocken erscheint – Finger weg. Wasser und Strom sind eine tödliche Kombination. Lassen Sie den Netzbetreiber von außen trennen.
  • Nicht sofort heizen oder trocknen: Feuchte Wände brauchen zunächst Belüftung, keine Wärme. Zu früh geheizt schließt die Feuchtigkeit ein und begünstigt Schimmel.
  • Schäden nicht voreilig beseitigen: Bevor die Versicherung den Schaden aufgenommen hat, nichts wegwerfen und nichts reparieren. Fotos und Originalzustand sind entscheidend für die Schadensregulierung.

Erste 4 Stunden: Schadensbegrenzung

Gas und Öl absperren. Auslaufendes Heizöl kontaminiert das gesamte Gebäude und vervielfacht die Sanierungskosten.

Wertgegenstände retten – aber nur wenn gefahrlos möglich.

Sandsack-Alternativen aufbauen. Keine Sandsäcke? Tür- und Fensteröffnungen mit Müllsacken voller Erde provisorisch abdichten.

Nachbarn warnen. Besonders in Reihenhaussiedlungen.

Erste 24 Stunden: Dokumentation & Meldung

Alles fotografieren und filmen. Bevor Sie aufräumen: Dokumentieren Sie jeden Schaden. Das ist entscheidend für die Versicherung.

Versicherung informieren. Schaden melden, auch wenn das Ausmaß noch nicht klar ist.

Wasser abpumpen – aber erst wenn es draußen sinkt. Der Außendruck könnte die Kellerwand eindrücken.

Nicht sofort heizen. Feuchte Räume erst belüften, dann trocknen.

Versicherung und Schadensdokumentation

Die Dokumentation ist bares Geld. Was Sie brauchen:

  • Fotos und Videos: Jeder Raum, jede beschädigte Fläche, jedes betroffene Objekt. Zeitstempel aktivieren. Auch Schäden, die auf den ersten Blick klein wirken.
  • Liste beschädigter Gegenstände: Notieren Sie sofort: Bezeichnung, Kaufdatum (ca.), Kaufpreis, Schaden. Je detaillierter, desto besser.
  • Meldung an die Versicherung: Viele Verträge schreiben eine Meldefrist von maximal 72 Stunden nach dem Schadensereignis vor. Rufen Sie noch am selben Tag an – auch wenn die Lage noch unübersichtlich ist. Ein Aktenzeichen sichert Ihren Anspruch.
  • Sachverständigen hinzuziehen: Versicherungen akzeptieren professionelle Gutachten deutlich lieber als Eigenaufnahmen. Gerade bei Schäden über 5.000 Euro lohnt sich ein unabhängiger Gutachter.

Wichtige Nummern:

  • Feuerwehr / Notruf: 112
  • THW (Technisches Hilfswerk): Örtliche Dienststelle (Verzeichnis auf thw.de)
  • Lokale Hochwassernachrichtenzentrale: Bayerisches LfU, Hessisches LfU – je nach Bundesland
  • Netzbetreiber (Strom): Notfallnummer auf Ihrer letzten Stromrechnung
Wasseransammlung am Haus bei Regen, Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmung.
Das Bild zeigt die Flutung eines Garagentors.

Wiederherstellung: Diese Handwerker brauchen Sie

Nach dem Abfluss des Wassers beginnt die eigentliche Arbeit. Die richtige Reihenfolge ist entscheidend:

  1. Elektriker zuerst: Bevor irgendetwas in Betrieb geht, muss ein zugelassener Elektriker die gesamte Elektroinstallation prüfen. Durchnässte Kabel und Steckdosen können noch Tage nach dem Hochwasser Kurzschlüsse verursachen.
  2. Bautrockner aufstellen: Professionelle Kondensations- oder Adsorptionstrockner sind deutlich leistungsfähiger als Haushaltsgeräte. Fachbetriebe stellen diese zum Tages- oder Wochensatz zur Verfügung (ca. 30 bis 80 Euro/Tag pro Gerät). Die Trocknung dauert je nach Ausmaß 2 bis 8 Wochen.
  3. Schimmelprävention: Schimmel beginnt bei organischen Materialien (Holz, Gipskarton, Tapeten) bereits nach 48 bis 72 Stunden zu wachsen. Betroffene Tapeten sofort entfernen, Wände mit bioziden Mitteln behandeln, Holzbauteile auf Feuchtegehalt messen.
  4. Maurer/Trockenlegungsspezialist: Feuchte Wände, abgeplatzter Putz und durchnässtes Mauerwerk erfordern Fachleute. Innenabdichtung, Neuverputz und Horizontalsperre sind Folgearbeiten, die korrekt ausgeführt werden müssen.
  5. Hochwasserschutz planen: Nach der Sanierung ist der beste Zeitpunkt, bauliche Schutzmaßnahmen zu installieren – Dammbalken für Türen und Zugänge und Acrylschotts für Kellerfenster. Für den Kanal-Rückstau ist zusätzlich eine Rückstauklappe sinnvoll (über einen Fachpartner, nicht unser Leistungsumfang). Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.

Welche Maßnahme an welche Öffnung gehört, hängt vom Gebäude ab. Unser Produktfinder zeigt Ihnen, welche Schutzmaßnahmen für Ihr Haus infrage kommen.

Danach: Trocknung, Sanierung, Prävention

Soforthilfe bei Hochwasser: Trocknungsgeräte und Schutzmaßnahmen zum Haus- und Gebäudeschutz.

Professionelle Trocknung. Einfaches Lüften reicht bei einem Wasserschaden nicht.

Schimmel vorbeugen. Schimmel beginnt innerhalb von 48 bis 72 Stunden zu wachsen.

Schäden sachverständig bewerten lassen. Professionelle Gutachten werden von Versicherungen eher akzeptiert.

Hochwasserschutz für das nächste Mal planen. Dafür sorgen, dass es nicht nochmal passiert. Am besten direkt ein Schutzkonzept erstellen lassen – das ist der logische nächste Schritt nach einem Schaden.

Auch als Mieter können Sie Vorsorge treffen – was Mieter zum Hochwasserschutz selbst tun dürfen.

Unsere Erfahrung aus über 450 Montagen: Die meisten unserer Kunden kontaktieren uns nach ihrem ersten Wasserschaden. Der beste Zeitpunkt für Hochwasserschutz ist, bevor das Wasser kommt. Der zweitbeste ist jetzt.

Häufig gestellte Fragen

Wer zahlt die Feuerwehr bei Hochwasser?

Der Feuerwehreinsatz bei Hochwasser ist in der Regel kostenlos.

Soll ich den Keller selbst auspumpen?

Kleine Mengen ja. Bei größeren Wasserständen: Feuerwehr oder Fachfirma rufen.

Wie lange dauert die Trocknung?

Je nach Ausmaß 2 bis 8 Wochen.

👉 Hochwasserschutz anfragen – Damit Ihr Keller beim nächsten Mal trocken bleibt.

Sie möchten vorab das Budget einschätzen? Mit unserem Konfigurator können Sie unverbindlich die Kosten für Hochwasserschutz ermitteln.

📖 Ratgeber: Alles über Hochwasserschutz für Ihr Haus finden Sie in unserem kompletten Ratgeber 2026.

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