Sie wohnen zur Miete und haben Angst vor dem nächsten Hochwasser? Verständlich. Aber als Mieter können Sie nicht einfach Dammbalkensysteme in die Wand bohren – das Haus gehört Ihnen nicht. Trotzdem sind Sie nicht machtlos.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, was Sie als Mieter selbst tun können und wie Sie Ihren Vermieter ins Boot holen.
Viele der Maßnahmen, die wir im Artikel Hochwasserschutz selber bauen beschreiben, lassen sich auch als Mieter umsetzen – besonders die mobilen Lösungen ohne bauliche Veränderung.
In unserem Gesamtüberblick Hochwasserschutz fürs Haus finden Sie alle wichtigen Maßnahmen für Eigentümer und Mieter.
Was dürfen Mieter ohne Genehmigung?
Mobile Schutzsysteme können Sie als Mieter selbst beschaffen und einsetzen, da sie keine baulichen Veränderungen erfordern.
Flutschotts werden vor Türöffnungen gestellt und verspannt – kein Bohren, keine Spuren. Sandsäcke oder Sandsack-Alternativen (z.B. Quick-Dammbalken aus dem Baumarkt) können für den Notfall bereitgehalten werden. Selbstklebende Dichtungen an Tür- und Fensterschwellen bringen bei niedrigem Wasserstand etwas.
Auch der Lichtschacht schützen lohnt sich — eine oft übersehene Schwachstelle bei Mietwohnungen.
Mobile Maßnahmen im Detail: Was Sie ohne Absprache aufstellen dürfen
Als Faustregel gilt: Alles, was Sie beim Auszug rückstandslos mitnehmen können, ist in der Regel ohne Zustimmung des Vermieters erlaubt. Das umfasst konkret:
- Mobile Dammbalken in losen Führungsschienen: Systeme, die in nicht fest verankerten Aluminium- oder Kunststoffschienen stehen, gelten als Einrichtungsgegenstände. Sie sind innerhalb weniger Minuten aufgebaut und erzeugen keinerlei Schäden an Türrahmen oder Mauerwerk. Kosten: ab ca. 300 Euro für einfache Varianten, 800 bis 1.500 Euro für zertifizierte Systeme (Baumarkt- bzw. Selbstaufbau-Preise ohne Montage; unsere fest montierten Dammbalken-Anlagen kalkulieren wir individuell).
- Freistehende Barrieren und Boxwall-Systeme: Wassergefüllte oder sandgefüllte Schlauchsperren (z.B. AquaFence oder vergleichbare Produkte) werden vor der Haustür oder vor dem Kellerzugang positioniert, ohne irgend etwas zu befestigen. Ideal für Mieter in Parterre- oder Souterrainwohnungen.
- Mobiler Lichtschacht-Schutz (z.B. Quickwall): Für Lichtschächte eignet sich eine mobile, lediglich aufgelegte Lichtschacht-Abdeckung wie die Quickwall – mobiler Lichtschacht-Schutz. Achtung: Einfache Lichtschachtabdeckungen halten nur Regen ab und nicht das drückende Wasser bei Überschwemmung – achten Sie auf ein System, das für Stauwasser ausgelegt ist.
- Mobile Acrylschott-Aufsätze für Kellerfenster: Aufgesetzte Acrylschotts werden vor die Fensteröffnung gesetzt und schützen zuverlässig bis zu einer bestimmten Stauhöhe. Wichtig: Das Fenster-Acrylschott ist ausschließlich für Kellerfenster-Öffnungen gedacht, nicht für Lichtschächte. Wie diese Systeme im Einzelnen funktionieren, erklärt unser Artikel zu Acrylschotts und ihrer Funktionsweise.
- Sandsäcke und moderne Alternativen: Klassische Sandsäcke sind schwer und zeitaufwendig – moderne Alternativen wie selbst aufquellende Schnelldämme (z.B. aus Natriumpolyacrylat) nehmen wenig Platz weg und sind in Minuten einsatzbereit. Stellen Sie einen Vorrat von zehn bis zwanzig Stück bereit.
- Selbstklebende Schwellendichtungen: Diese rückstandslos entfernbaren Streifen werden bei Hochwassergefahr an Türschwellen angebracht. Sie sind günstig, leicht zu lagern und hinterlassen keine Spuren – sofern Sie die für glatte Oberflächen vorgesehenen Varianten verwenden.
- Kellerabdichtung mit Stopfen und Rohrblenden: Einfache Gummistopfen für Bodenabläufe im Keller verhindern, dass Rückstauwasser aufsteigt. Sie gelten als Haushaltsmittel und brauchen keine Genehmigung.

Was braucht die Zustimmung des Vermieters?
Sobald eine Maßnahme das Gebäude dauerhaft verändert oder Bohrungen und Verankerungen erfordert, handelt es sich um eine bauliche Veränderung im Sinne des Mietrechts. Dafür benötigen Sie grundsätzlich die schriftliche Zustimmung des Vermieters oder der Hausverwaltung. Zu diesen Maßnahmen zählen:
- Fest montierte Dammbalkensysteme: Führungsschienen, die in Türrahmen oder Mauerwerk gedübelt werden, sind bauliche Veränderungen. Professionelle Systeme wie die von uns montierten AquaLOCK- oder Dammbalken-Anlagen erfordern eine sorgfältige Planung. Informationen zu diesen Systemen finden Sie in unserem Beitrag zum Kauf eines Dammbalkensystems.
- Acrylschotts für Kellerfenster mit Rahmenverankerung: Hier werden Ankerbolzen in das Mauerwerk gesetzt. Wie solche Schotts schützen und was sie leisten, lesen Sie im Detail in unserem Kellerfenster-Ratgeber.
- Rückstauklappe: Die Rückstauklappe wird in die Abwasserleitung eingebaut und ist der wirksamste Schutz gegen aufsteigendes Kanalwasser. Einbau und Wartung sind Aufgabe des Eigentümers. Fragen Sie schriftlich nach, ob eine Klappe vorhanden ist und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Hochwasserschutztüren und -tore: Fest eingebaute, wasserdruckdichte Türen ersetzen die vorhandene Bausubstanz. Solche Maßnahmen liegen eindeutig im Verantwortungsbereich des Vermieters.
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Unsicherheiten empfehlen wir, den Mieterschutzbund oder einen Fachanwalt für Mietrecht hinzuzuziehen.
Was sollten Mieter den Vermieter fragen?
Rückstauklappe: Fragen Sie Ihren Vermieter, ob eine Rückstauklappe vorhanden ist und wann sie zuletzt gewartet wurde. Wenn keine vorhanden ist, bitten Sie den Vermieter schriftlich um Einbau.
Permanenter Hochwasserschutz: Dammbalkensysteme und Acrylschotts erfordern Bohrungen am Gebäude und damit die Zustimmung des Eigentümers. Welche Schutzsysteme für Türen und Eingänge existieren und was sie kosten, haben wir in unseren Produkte im Vergleich detailliert zusammengefasst.
Versicherungsschutz: Prüfen Sie, ob Ihre Hausratversicherung Elementarschäden abdeckt. Falls nicht, erweitern Sie den Schutz – das können Sie als Mieter selbst.
Mehr dazu: Elementarversicherung für Mieter — Was deckt der Versicherungsschutz ab?
Versicherung: Was zahlt wer im Schadensfall?
Viele Mieter sind unsicher, wer nach einem Hochwasserschaden für welche Schäden aufkommt. Die Antwort hängt davon ab, was beschädigt wurde.
Hausratversicherung mit Elementarschutz (Sache des Mieters)
Ihre Hausratversicherung deckt den beweglichen Inhalt Ihrer Wohnung: Möbel, Elektronik, Kleidung, Fahrräder und sonstige Gegenstände. Standardpolicen schließen Überschwemmungsschäden jedoch aus – diese Lücke schließt der Zusatzbaustein Elementarschadenversicherung. Diesen Zusatzbaustein können Sie als Mieter eigenständig und unabhängig vom Vermieter abschließen.
Worauf Sie beim Abschluss achten sollten und welche Versicherung Hochwasserschäden wirklich abdeckt, erklären wir ausführlich in unserem Versicherungs-Ratgeber.
- Prüfen Sie, ob Ihr Tarif „Elementar“ oder „Naturgefahren“ als Zusatzbaustein enthält.
- Bei Altverträgen sind Überschwemmungsschäden oft ausdrücklich ausgeschlossen – ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich.
- Für Erdgeschoss- und Kellerräume können Versicherer Risikoaufschläge verlangen oder den Schutz einschränken. Vergleichen Sie mehrere Anbieter.
Gebäudeversicherung (Sache des Vermieters)
Schäden am Gebäude selbst – Mauerwerk, Estrich, Leitungen, Fenster, Türen – fallen unter die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers. Als Mieter können Sie diese Police weder abschließen noch direkten Einfluss auf den Leistungsumfang nehmen. Stellt sich heraus, dass der Vermieter keine Elementarschadendeckung hat, ist das sein wirtschaftliches Risiko – nicht Ihres. Melden Sie Schäden am Gebäude umgehend und schriftlich an den Vermieter.
Wichtig: Dokumentieren Sie Schäden an Ihrem Hausrat immer mit Fotos und Kaufbelegen, bevor Sie aufräumen. Die Versicherung benötigt diese Nachweise.
Musterschreiben an den Vermieter
Sehr geehrter Vermieter, unser Wohngebäude liegt in einem Bereich, der bei Starkregen und Hochwasser gefährdet ist. Ich möchte Sie bitten, prüfen zu lassen, ob Schutzmaßnahmen wie Dammbalkensysteme, Acrylschotts für Kellerfenster oder eine Rückstauklappe (Einbau durch einen Sanitärfachbetrieb) sinnvoll wären. Die Kosten für solche Maßnahmen betragen je nach Umfang ca. 3.000 bis 8.000 Euro inkl. Montage und Planung und sind teilweise steuerlich absetzbar. Ein einziger Wasserschaden kostet erfahrungsgemäß ein Vielfaches. Ich kann Ihnen gerne den Kontakt zu einem spezialisierten Fachbetrieb vermitteln, der eine kostenlose Vor-Ort-Beratung anbietet. Mit freundlichen Grüßen

So überzeugen Sie Ihren Vermieter
Viele Vermieter zögern, weil sie die Kosten scheuen oder das Risiko unterschätzen. Folgende Argumente helfen erfahrungsgemäß:
- Kostenvergleich: Ein professionelles Dammbalkensystem kostet als Projektkosten inkl. Montage und Planung je nach Umfang 3.000 bis 8.000 Euro. Ein einziger Hochwasserschaden am Gebäude – Trocknung, Sanierung, Instandsetzung – schlägt regelmäßig mit 20.000 bis 80.000 Euro zu Buche.
- Steuerlicher Vorteil: Vermieter können Investitionen in den Hochwasserschutz als Erhaltungsaufwand steuerlich geltend machen.
- Werterhalt der Immobilie: Ein nachgewiesener Hochwasserschutz erhöht den Marktwert und die Vermietbarkeit der Liegenschaft.
- Haftungsrisiko: Ist dem Vermieter eine Gefährdung bekannt und er handelt nicht, kann dies im Schadensfall haftungsrechtliche Konsequenzen haben.
- Konkretes Angebot beilegen: Bitten Sie uns um ein kostenloses Angebot, das Sie Ihrem Vermieter oder der Hausverwaltung direkt vorlegen können. Als Vorstufe können Sie online ein Schutzkonzept anfordern und es der Anfrage beilegen. Aus über 450 Montagen wissen wir: Ein konkretes Angebot mit Preis und Leistungsbeschreibung überzeugt deutlich schneller als allgemeine Informationen.
Wertvolle Tipps für Mieter
Wertgegenstände hochlagern. Wenn Sie im Erdgeschoss oder Souterrain wohnen: Elektronik, wichtige Dokumente und Erinnerungsstücke nicht auf dem Boden lagern. Regale und Plastikboxen schützen vor dem Schlimmsten.
NINA-Warnapp installieren. Die App warnt vor Unwetter, Hochwasser und anderen Gefahren. Freigeschaltet für ganz Deutschland.
Notfallplan haben. Wissen Sie, wo der Hauptschalter für Strom und Gas ist? Im Ernstfall zählt jede Minute.
Fotos machen. Dokumentieren Sie den Zustand Ihrer Wohnung und Ihres Hausrats regelmäßig mit Fotos. Im Schadensfall brauchen Sie diese Nachweise für die Versicherung.
Wenn es doch passiert ist: Unser Ratgeber zur Soforthilfe nach Hochwasser zeigt die ersten Schritte.
Häufig gestellte Fragen
Muss mein Vermieter Hochwasserschutz einbauen?
Es gibt keine gesetzliche Pflicht dazu. Aber wenn der Vermieter von einer bekannten Gefährdung weiß und nichts unternimmt, kann das im Schadensfall haftungsrelevant sein.
Kann ich ein Flutschott auf eigene Kosten kaufen?
Ja. Flutschotts sind mobile Systeme, die Sie bei Auszug mitnehmen können. Kosten: ca. 800 bis 1.500 Euro.
Ich wohne im Erdgeschoss – ist das besonders gefährlich?
Ja, Erdgeschoss- und Souterrainwohnungen sind am stärksten gefährdet. Hier ist eine Elementarversicherung für den Hausrat besonders wichtig.
Wer zahlt, wenn der Keller durch Rückstau überflutet wird?
Rückstauwasser gilt versicherungsrechtlich meist als „Überschwemmung von innen“. Ist keine Rückstauklappe vorhanden und keine Elementardeckung eingeschlossen, bleiben Sie oder der Vermieter auf dem Schaden sitzen. Klären Sie diesen Punkt vor dem nächsten Starkregenereignis – nicht danach.
Darf ich eine Rückstauklappe selbst einbauen lassen?
Nein. Der Einbau in die Abwasserleitung ist ein Eingriff in die Gebäudeinstallation und bedarf der Zustimmung des Eigentümers sowie in vielen Kommunen einer Anzeige beim Tiefbauamt. Stellen Sie den Antrag schriftlich an Ihren Vermieter.
Wie hoch ist das Risiko in meiner Straße?
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sowie die Länder stellen Hochwassergefahrenkarten kostenlos online zur Verfügung (z.B. HWRM-RL-Viewer). Geben Sie Ihre Adresse ein und sehen Sie, ob Ihr Gebäude in einem HQ10-, HQ100- oder HQextrem-Gebiet liegt.
Fördermöglichkeiten für Schutzmaßnahmen beim Vermieter erfragen — welche Zuschüsse möglich sind, erfahren Sie in unserem Förder-Ratgeber.
Vermieter überzeugen? Wir helfen:
Systematisch prüfen: Mit unserer Hochwasserschutz Checkliste finden Sie alle Schwachstellen – auch als Mieter. Nutzen Sie dafür unseren Produktfinder, um passende Schutzmaßnahmen für Ihre Situation finden zu lassen.
👉 Kostenlose Beratung anfragen – Wir erstellen ein Angebot, das Sie Ihrem Vermieter vorlegen können.
👉 Konfigurator starten – Erste Einschätzung in 2 Minuten.
📖 Ratgeber: Alles über Hochwasserschutz für Ihr Haus finden Sie in unserem kompletten Ratgeber 2026.

